Bewertungen in großen Filme des Jahres 2005

1. Oktoberfest

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Manchmal gibt es Filme, die nicht wirklich gelungen sind, aber trotzdem Spaß machen. Das liegt an der emotionalen Kraft des Mediums, an der Kraft, Erinnerungen zu wecken an selbst Erlebtes oder beinah-Erlebtes. Die Geschichten, die man hören möchte im Kinosaal, sie sind doch meist Verallgemeinerungen von Erfahrung, Rückgriffe auf eine Vergangenheit, die man so auch hatte oder gern gehabt hätte, Vorwegnahmen einer Zukunft, die man fürchtet oder erhofft. Dann macht es auch nichts, wenn das Drehbuch ein wenig träge, die Geschichten ein wenig lahm erzählt sind – was einem fehlt an dem Film, den man präsentiert bekommt, das ersetzt man einfach selbst. Oktoberfest von Johannes Brunner ist so ein Film – zumindest, wenn man eine emotionale Beziehung aufgebaut hat zu jenem Volksfest, das alljährlich in München Einheimische und Touristenscharen anzieht…

 

2. Das wandelnde Schloss

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Im Filmgeschäft gilt, wie überall: Wenn du nicht besser bist als die Konkurrenz, kaufe sie. So oder so ähnlich dürfte sich das auch die Marketing-Abteilung von Disney gedacht haben, als die Firma vor einigen Jahren einen Deal mit den Ghibli Studios des japanischen Animationsfilm-Genies Hayao Miyazaki einging – dessen Zeichentrickfantasien waren in Japan so erfolgreich, dass sie Disneys Trickfilmen die Existenzberechtigung zu entziehen drohten. Zunächst ging das Geschäft nur bedingt auf – in den USA startete Prinzessin Mononoke, seinerzeit der erfolgreichste Film in seinem Heimatland, mit katastrophalem Einspielergebnis. Böse Zungen behaupteten freilich bald, dass Disney die Arbeiten Miyazakis lediglich angekauft hatte, um sie dann ohne ausreichende Werbung in der Versenkung verschwinden zu lassen, um den Ring wieder freizumachen für die eigenen Produktionen. Auf Dauer ließe sich eine solche Taktik allerdings wohl kaum durchhalten – einfach zu gut und zu erfolgreich sind die Produkte der Ghibli-Studios. Allerspätestens mit Chihiros Reise ins Zauberland kam die Anerkennung auch auf breiter Ebene, der goldene Bär für Chihiro bei den Festspielen in Berlin richtete das Augenmerk von Presse und Publikum auf ein Genre, das bis dahin oft nicht als echte Konkurrenz ernst genommen wurde.

 

3. Bin Jip

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Schweigen ist ein Luxus, den sich das zeitgenössische Kino nur noch selten erlaubt. Zu viel Gewicht legt die Absenz von Dialog auf die Gesten, die Blicke, die Kameraführung, zu deutlich rückt das Können des Regisseurs und der Schauspieler in den Vordergrund. Kim Ki-Duk hat es trotzdem gewagt, und so sicher, wie er inszeniert, so großartig, wie sein Ensemble vor der Kamera agiert, muss er sich dabei auch nicht um drohendes Scheitern sorgen. Ein großartiger Film ist ihm mit Bin-Jip gelungen, ein meditativer Film, durchzogen von leisem Humor. Sein Protagonist Tae-Suk (Jae Hee) spicht nicht, nicht einmal, wenn er auf der Polizeiwache sitzt, konfrontiert mit schweren Anschuldigungen, aber auch nicht, wenn er sich verliebt hat. Wozu auch, wenn Sprache scheinbar doch immer zu Gewalt führt, während Tae-Suks Schweigen zu einer Art verkörperlichtem Pazifismus wird. Nicht, dass Tae-Suk ein durch und durch friedlicher Held wäre – man befände sich wohl nicht in einem Film von Kim Ki Duk, wenn es nicht auch hier den ein oder anderen Gewaltexzess gäbe, aber im Gegensatz zu einigen seiner früheren Helden hat Kim mit Tae-Suk eine Figur geschaffen, die sich immer mehr zurückzuziehen scheint von dem ewigen Kampf, den der Dialog bedeutet.

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